Die Haltung zum Papst und zum Papstamt spaltet die Gruppe der Katholiken, die den durch das II. Vatikanum ausgelösten Veränderungen ablehnend gegenüberstehen, in drei Lager:
Durch seine Auffassung, daß der Innenraum der katholischen Kirche derzeit zwar von antichristlichem Gedankengut besetzt sei, die Kirche aber wesenhaft die katholische Kirche sei, war Pfarrer Milch schon immer Erzbischof Lefebvre und der Priesterbruderschaft St. Pius X. auf das Engste verbunden.
Er war dadurch zeitlebens Angriffen von zwei Seiten ausgesetzt: Warfen ihm die Halbkonservativen mangelnden Gehorsam und die Mißachtung der päpstlichen Autorität vor, mußte er sich von den Sedisvakantisten Inkonsequenz und zu großen Gehorsam gegenüber den "Nicht-Päpsten" vorhalten lassen. Zahlreiche Rundbriefe zeugen daher davon, daß er sich immer wieder genötigt sah, den Standpunkt der actio spes unica gegenüber den anderen Gruppierungen klar abzugrenzen. —
Für Pfarrer Milch war dabei die Frage einer Sedisvakanz von untergeordneter juristischer Bedeutung und nur dazu geeignet, die katholische Tradition zu spalten und von den eigentlichen inhaltlichen Problemen abzulenken. Denn das wirkliche Problem ist nicht, ob der Papst angesichts der zahllosen von ihm verkündeten Irrlehren noch gültiger Papst ist, sondern daß der offizielle Raum der Kirche objektiv von diesen antichristlichen Ideen beherrscht ist.
Warum er persönlich davon überzeugt war, daß die modernistischen Päpste gültige Inhaber des Petrusamtes sind, legte Pfarrer Milch u.a. in seinem Vortrag "Wir und Rom" dar:
Auch wenn ein Papst ständig materielle Häresien, d.h. objektiv falsche Lehren, verkündet, ist es nicht möglich nachzuweisen, daß ihm diese in seinem Innersten auch als solche bewußt sind, er also Irrlehren verbreiten will. Daher kann nur eine formelle, ausdrücklich gewollte und als solche deklarierte, Häresie zum Verlust des Papstamtes führen.
Dies ist aber bis zum heutigen Tage nicht geschehen, insbesondere hat noch kein Papst eine Häresie dogmatisch vorgeschrieben, und selbst das II. Vatikanum hat keine Glaubenswahrheiten verkündet, es wurde sogar ausdrücklich als nicht-dogmatisches Konzil einberufen.
Zudem sind die in Rom regierenden Päpste die offiziellen Petrusnachfolger – die nachkonziliare Kirche wird von der Welt eindeutig als die offizielle römisch-katholische Kirche wahrgenommen. Auf sie bezieht sich daher das Christuswort, daß "die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden" (Mt. 16:18).
Wäre es möglich, daß der Papst insgeheim antichristliche Überzeugungen hegen und gegen die katholische Kirche arbeiten könnte – also nach außen hin, nicht aber in Wirklichkeit Papst wäre – würde die Gültigkeit des Papstamtes ständig in Zweifel stehen.
Die Felsenhaftigkeit des Petrusamtes schließt diese Möglichkeit jedoch aus. Daher kann man mit Sicherheit davon ausgehen, daß der Papst selbst bei der Verkündigung objektiv schlimmster Häresien innerlich davon überzeugt ist, im Einklang mit dem katholischen Glauben zu sprechen und zu handeln.
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Rundbrief vom 15. August 1981 |
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Pfarrer Hans Milch: Wir und Rom - Ist die Kirche an ihrem Hauptsitz noch vorhanden? (Bestellnr.: 1983.ROM) |
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Pfarrer Hans Milch: Wesen, Dasein, Sein, Gebaren (1979) (Bestellnr.: 1979.WESEN) |
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Hw. DDr. Gregorius Hesse: Papst und Kirche heute (Bestellnr.: HESSE.KIRCHE) |
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Sonntagsbrief vom 22. März 1981 |
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Rundbrief vom 30. April 1979 |
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Theologische Erklärung zur Ablehnung des Sedisvakantismus (Anhang zum Rundbrief 20.8.82) |
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Rundbrief vom 20. September 1984 |
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Rundbrief vom 1. April 1985 |
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fsspx.org: Zum kirchlichen Lehramt (web.archive.org/web/2003/www.fsspx.org/ger/kkk/lehramt.htm) |
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Vorträge zum Thema "Papstamt" |
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Vorträge zum Thema "Sedisvakantismus" |