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Geistliches Wort im April 2009

Von den sieben Schmerzen Mariä

 

Auf den Freitag in der Passionswoche, also acht Tage vor dem Karfreitag, hat die Kirche das Fest der sieben Schmerzen Mariä angesetzt. Über diese Schmerzen wollen wir betrachten. Im 1. Präludium durchgehen wir dieselben mit einem Blick; nämlich: 1. Wie bei der Darstellung im Tempel der heilige Greis Simeon der lieben Mutter Gottes weissagt, das Schwert der Schmerzen werde ihre Seele durchdringen; 2. Wie Maria mit ihrem Kinde, unter der Führung des hl. Joseph, nach Ägypten fliehen muß; 3. wie sie Jesus, als dieser zwölf Jahre alt war, im Tempel verlor; 4.wie sie dem Heilande begegnete, als dieser sein Kreuz nach Golgatha trug; 5. Wie sie unter dem Kreuze stand und dem Todeskampfe Jesu zusah; 6. Wie der entseelte Leib ihres Sohnes ihr in den Schoß gelegt ward; 7. Wie man denselben in das Grab legte. Diese sieben Schmerzen der lieben Mutter Gottes sollen zu gleich die sieben Punkte unserer Betrachtung bilden. Will man nicht alle durchgehen, so kann man diejenigen zu näherer Erwägung und Beherzigung auswählen, aus welchen man größere Frucht zu ziehen hofft. Im 2. Präludium stellen wir uns jedes mal den Ort vor, an welchem jenes Geheimnis sich vollzieht, über das wir gerade betrachten; also z.B. den Tempel, in welchem Simeon vom Schwerte der Schmerzen weissagt, oder den Kalvarienberg, auf welchem Maria unter dem Kreuze ihres sterbenden Sohnes steht. Bitten wir dann im 3. Präludium um die Gnade, die Schmerzen Mariä lebendig mitzuempfinden, damit wir uns bemühen, durch Eifer im geistlichen Leben zu bewirken, daß ihr Schmerz für uns nicht umsonst war.

1. Punkt: Die Worte Simeons

Als Maria und Joseph vierzig Tage nach der Geburt Jesu denselben nach Jerusalem brachten, um ihn im Tempel darzustellen und Gott aufzuopfern, kam der heilige Greis Simeon dazu, nahm das Kind auf seine Arme und weissagte über dessen zukünftige Größe. Dann segnete er Maria und Joseph, und sprach zu Maria, seiner Mutter: "Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel, und als ein Zeichen, dem man widersprechen wird; und ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden" (Luk. 2,34-35). Diese Weissagung ging beim Leiden und Sterben des Heilandes so recht in Erfüllung. Aber sie geht in Erfüllung auch jetzt noch; denn noch immer ist Jesus den Verstockten zum Falle, aber denen, die guten Willens sind, zur Auferstehung; noch immer tritt durch Jesus eine Scheidung der Geister ein, so daß die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Maria nun fühlte den Schmerz, welchen die Verstocktheit und Kälte so vieler Herzen gegen die unermeßliche Liebe ihres Sohnes ihr verursachten. Auch durch mein Verhalten zu Jesus kann ich diesen Schmerz mehren oder mindern; mit aller Treue also will ich Jesu folgen, um Maria Freude zu machen.

2. Punkt: Die Flucht nach Ägypten

In Bethlehem hatte alsdann Maria die Freude, daß die Weisen des Morgenlandes kamen, ihr göttliches Kind anzubeten. Aber sogleich gesellte sich der zweite größere Schmerz ihres Lebens hinzu. Denn nachdem diese hinweggezogen, "siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Schlafe und sprach: Steh auf "und nimm das Kind und seine Mutter, und fliehe nach Ägypten, und bleib allda, bis ich dir’s sage. Denn es wird geschehen, daß Herodes das Kind sucht, um es zu töten. Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter bei der Nacht und zog fort nach Ägypten" (Matth. 2, 13-14). Welcher Schmerz für Maria, daß man ihrem lieben Kinde, da es noch kaum geboren ist, bereits nach dem Leben strebt! Daß sie mit ihm fliehen muß in ein fernes, heidnisches Land! Sie trägt diesen Schmerz für das Heil der Menschen; auch für mich; ich aber will ihr dankbar sein durch Eifer im Guten.

3. Punkt: Der Verlust im Tempel

Einen ferneren großen Schmerz wollte Jesus seiner heiligsten Mutter bereiten, da er zwölf Jahre alt, allein im Tempel zurückblieb. Wie groß dieser Schmerz war, sehen wir an den Worten, welche Maria sprach, als sie nach langem Suchen endlich ihn wieder fand. "Kind," sprach sie, "warum hast du uns das getan? Sieh, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht" (Luk. 2, 48). Wenn Jesus wollte, daß Maria, weil er sie liebte, auch leiden sollte, so will ich gleichfalls bereitwillig Leiden erdulden mit Jesus und Maria, um ihnen ähnlicher zu werden.

4. Punkt: Die Begegnung auf dem Kreuzwege

Jesus wuchs nun heran; er begann und vollendete sein öffentliches Lehramt. Da sollte ein noch größerer Schmerz als die bisherigen seine heiligste Mutter treffen. Vielleicht wußte sie bereits, daß man ihren Sohn am Ölberg gefangen genommen und vor den Hohen Rat und vor Pilatus geschleppt hatte. Aber vielleicht hatte sie in den ersten Augenblicken noch nicht erfahren, wie entsetzlich er durch Geißelung und Dornenkrönung zugerichtet, und daß er endlich zum Kreuzestod verurteilt worden. Da begegnet ihr, wie eine alte Überlieferung sagt, in den Straßen von Jerusalem der ganze Schwarm von römischen Kriegsknechten und Juden, welche ihren geliebten Sohn wie einen Verbrecher zur Richtstätte schleppen. Dieser selbst ist ganz mit Blut überronnen, er ist todmüde, und muß dennoch selbst das schwere Kreuz tragen, an welches er genagelt werden soll! Welches Wiedersehen mußte das sein für Mutter und Sohn! Welcher Schmerz für Maria, als sie Jesus anblickte! Auch für mich litt sie diesen Schmerz; ich aber will es ihr danken.

5. Punkt: Maria unter dem Kreuze

So ging es denn nach Golgatha. Jesus ward ans Kreuz geschlagen; das Kreuz ward aufgerichtet; die Menge verlief sich allmählich; Maria aber blieb unter dem Kreuze. "Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn! "Hierauf sprach er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter" (Joh. 19,26-27). Dann sprach er die letzten Worte am Kreuze und gab seinen Geist auf. Welch unsäglicher Schmerz für Maria!

6. Punkt: Der Leichnam im Schoße Mariä

Die Juden wollten dann, daß vor Anbruch des Sabbats die drei Gekreuzigten fortgeschafft würden. Sie baten also den Pilatus, und dieser schickte Soldaten, um es auszuführen. Die Soldaten zerbrachen den beiden Schächern, da sie noch lebten, die Beine, damit sie rascher stürben. "Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben sei, zerbrachen sie seine Beine nicht; sondern einer von den Soldaten öffnete seine Seite mit einem Speere, und sogleich kam Blut und Wasser heraus" (Joh. 19,33-34). Und Maria mußte das ansehen! Aber auch dieses opferte sie auf für mein Heil. Nicht lange darauf kamen Joseph von Arimathäa und Nikodemus, nahmen den Leichnam Jesu herab vom Kreuze; Maria aber nahm ihn nun auf in ihren Schoß. Welch unsäglicher Schmerz!

7.Punkt: Die Grablegung

Nun balsamierten Joseph und Nikodemus den Leichnam Jesu ein mit einer Mischung von Myrrhen und Aloe, wickelten ihn samt den Spezereien in leinene Tücher und legten ihn dann in das neue Grab des Joseph von Arimathäa. Das Grab ward geschlossen. Maria aber, welche den tiefsten Schmerz im Antlitz und im Herzen, alle dem gefolgt war, blieb jetzt ganz ihrem unsäglichen Leid überlassen. Und alles das für das Heil der oft so undankbaren Menschen! Alles das auch für mein Heil!

 

Das Kolloquium richte ich an Maria und Jesus, wie das Herz es mir eingibt. Um mich im Eifer zum Guten zu bestärken, betrachte ich (also) die Schmerzen, welche Maria für mich erlitten hat, und zwar: 1. die Worte des greisen Simeon; 2. die Flucht nach Ägypten; 3. den Verlust im Tempel; 4. die Begegnung auf dem Wege nach Golgatha; 5. Die Worte Jesu am Kreuze und seinen Tod; 6. den entseelten Leib im Schoße Mariä, und endlich 7. die Abnahme vom Kreuze und Grablegung.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

Abbé Oliver E. Busse
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