"Er predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden" (Luc. 3,3)
Der heilige Johannes scheint gewiß, soweit wir von ihm im Evangelium lesen, ein recht strenger und unerbittlicher Prediger gewesen zu sein. Er kam nicht, die Menschen in einer vierspännigen Kutsche zum Himmel zu bringen. Er hatte eine Botschaft für jeden, ob reich oder arm, hoch oder niedrig, und diese Botschaft war: "Bereut eure Sünden, tut Buße für sie und bringt würdige Früchte der Buße. Laßt ab vom Bösen und fangt an, Gutes zu tun. Legt eure schlimmen Gewohnheiten ab und setzt gute an deren Stelle. Habt ihr jemand ein Unrecht getan, so macht es wieder gut; ja noch mehr, erweist auch denen Liebe, die euch Böses angetan haben. Das alles müßt ihr tun; es gibt keinen anderen Weg, dem kommenden Zorn zu entgehen."
Daß das die Lehre des heiligen Johannes war, muß jedermann zugeben. Aber viele scheinen zu glauben, daß der göttliche Heiland, als er kam, den Sündern unter günstigeren Bedingungen das Heil angeboten habe. Das ist indes ein großer Irrtum. Es gab niemals für den Sünder, der das ewige Heil erlangen will, einen anderen Weg, noch wird es jemals einen anderen geben, als den der Buße. Der göttliche Heiland hat uns allerdings die Erreichung der ewigen Seligkeit leichter gemacht. Aber nicht etwa dadruch, daß er uns leichtere Bedingungen hierfür angeboten hat, sondern dadurch, daß er es leichter gemacht hat, diese Bedingungen zu erfüllen. Er hat uns nicht von der Pflicht, Buße zu tun, befreit, aber er hat uns in reichlicherem Maße die Gnade dazu gegeben und uns fähiger gemacht, Buße zu tun. Das muß jedem, der nur ein wenig darüber nachdenkt, klar werden.
Und doch meinen so viele, es sei genug zur ewigen Seligkeit, ein katholischer Christ zu sein. In der Praxis wenigstens befolgen sie die Irrlehre, welche der Teufel zur Zeit der sogenannten Reformation aufgebracht hat, und die davor kaum jemand auszusprechen gewagt hätte, daß man gerechtfertigt werde durch den bloßen Glauben, ohne die Werke des Glaubens. Sie sagen sich dasselbe, was der heilige Johannes an den Juden rügte, daß sie nämlich sagten: "Wir haben Abraham zum Vater." So sagen solche Christen: "Wir sind katholische Christen; wir sind Kinder der heiligen Kirche, und wir wollen, da sei Gott vor, nichts anderes werden. Wir wollen, wenn es zum Sterben kommt, uns mit den Sakramenten versehen lassen, und dann kommen wir in den Himmel, so sicher wie ein neugetauftes Kind." Das ist ein verhängnisvoller Irrtum! Der Teufel ist froh, wenn er sieht, daß die Menschen diese Meinung haben; denn er hofft sie einmal dafür zu sich in die Hölle zu bekommen. Er weiß sehr wohl, was diese Leute nicht zu wissen scheinen, daß es nämlich zum ewigen Heil nicht genug ist, ein katholischer Christ zu sein, sondern, daß man ein guter katholischer Christ sein muß. Er weiß ebensowohl wie der heilige Johannes, daß die Buße heute ebenso notwendig ist wie früher, aber er hütet sich sehr zu predigen, was er weiß.
Was heißt aber Buße tun? Heißt es, bloß zu bekennen, daß wir Sünder sind? Nein, durchaus nicht. Wenn das so wäre, wäre ja jeder ein Büßer, der nicht gerade ein Narr ist; denn jeder Vernünftige gibt zu, daß wir alle Sünder sind. Es ist auch nicht ein bloßes Erkennen, daß die Sünde etwas Schlimmes ist und der Wunsch, sie nicht begangen zu haben. Buße tun heißt schmerzlich betrübt zu sein darüber, daß wir gesündigt haben mit der vollen Überzeugung, daß wir es hätten vermeiden können, daß wir von seiten Gottes die hinreichende Gnade dazu hatten, daß wir aber diese Gnade nicht gehörig benützt haben. Daraus folgt nun mit Notwendigkeit die Überzeugung, daß wir die Sünde in Zukunft meiden können, und der feste Entschluß, es auch zu tun. Eine weitere notwendige Folge daraus ist eine ernstliche Besserung unseres Lebens und ein wirkliches Aufgeben der Sünde. All dies selbstverständlich in Verbindung mit der Beichte bei einem von der Kirche approbierten Priester, denn sonst wären weder die Reue noch der Vorsatz echt, es wäre keine echte Buße.
Oben wurde bereits gesagt, daß nach der Ankunft des Erlösers die Erlangung des ewigen Heiles leichter geworden sei, weil wir jetzt mehr Gnade haben, die unsere Schwäche stärkt. Aber gerade das macht es notwendiger, Buße zu tun. "Hat jemand," spricht der heilige Paulus, "das Gesetz Moses übertreten, so muß er ohne Erbarmen auf Zweier oder Dreier Zeugnis sterben; wieviel mehr, meint ihr, verdient jener härtere Strafen, welcher den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, wodurch er geheiligt worden, für unrein gehalten und dem Geist der Gnade Schmach angetan hat." (Hebr. 10, 28.29) Laßt euch also beizeiten warnen, bereut wirklich eure Sünden und ändert euer Leben!
Mit priesterlichem Segen
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