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Geistliches Wort im Februar 2013

Aloisianische Sonntage: Aloisius und die hl. Sakramente

Fünfter Sonntag: Aloisius und die hl. Krankenölung

Für die schweren Stunden der Krankheit, wenn das irdische Leben sich neigen will, hat der göttliche Arzt seiner Kirche eine besondere Arznei hinterlassen, die heilige Krankenölung. Sie soll, je nach Gottes Ratschluß, die Seele erleichtern, damit sie so vorbereitet den Flug zum Himmel nehme, oder aber dieses Sakrament soll in überströmender Kraft auch den Leib wieder befähigen, vereint mit der Seele auf dem Kampfplatz des Lebens verdienstvoll weiter auszuharren. Die Zeit der Krankheit gut zu verleben, ist wichtig, aber auch schwer. Aloisius wird uns gleichsam einen Anschauungsunterricht erteilen.

Wir sehen:
I. Die Ursache der Krankheit
II. Das Heilmittel
III. Aloysius, der Geheilte

I. Die Ursache der Krankheit

Als wahre Unglückszeiten hatten die Jahre 1590 und 1591 die Heilige Stadt heimgesucht. Hungersnot und die schreckliche Pest hatten gegen 50 000 Opfer gefordert. Aber auch die christliche Nächstenliebe trat lindernd, helfend und heilend den armen Kranken entgegen. Vor allem bewährten sich die christlichen Orden. So hatte die Gesellschaft Jesu ein eigenes Spital errichtet, und der Ordensgeneral selbst mit seinen Mitbrüdern verpflegte die armen Kranken. Welch günstige Gelegenheit für den Liebeseifer des hl. Aloysius! Doch seine Gesundheit ward für zu schwach befunden! Schließlich erlaubte man ihm, mit dem Bettelsack von Tür zu Tür zu gehen, um für die Kranken Almosen zu erbitten. Eines Tages traf er einen Pestkranken, der verlassen auf der offenen Straße lag: Sogleich lud er ihn auf seine Schultern und trug ihn zum Spital. Wahrscheinlich brachte diese Liebestat Aloysius den Todeskeim. Krank und matt kehrte er nach Hause zurück. Das Fieber stieg rasch, und schon am siebten Tag war er dem Tode nahe. Fürwahr ein schöner Tod, als Opfer der Nächstenliebe dem sterbenden Erlöser ähnlich zu werden! Kein Wunder deshalb, wenn Aloysius voll Jubel und Freude seiner baldigen Auflösung, dem Himmel, entgegensah.

Werfen wir nun einen Blick auf die vielen Krankenlager in der weiten Welt. Gar groß ist das Elend vielerorts. Welches sind da die Ursachen der Leiden? Bald ist die Krankheit die notwendige Folge körperlicher Schwächen; bald ist sie Folge von Unvorsichtigkeit. Die einen sterben in Ausübung ihres Berufes, andere sind Opfer ihrer sündhaften Leidenschaften. Wollte Gott, die Zahl dieser wäre in unseren Zeiten nicht so drohend angewachsen. Wie traurig, wenn Trunksucht oder Unsittlichkeit den Menschen vor die Pforten der Ewigkeit führen; wie beseligend dagegen, wenn ein Liebesdienst, wie bei Aloysius, zum Boten des ewigen Richters wird.

II. Das Heilmittel

Aloysius legte auf dem Sterbelager eine sorgfältige Beichte ab, empfing die hl. Wegzehrung und die hl. Krankenölung. Wie reich ist doch unsere Mutter, die hl. Kirche, wie gut der göttliche Arzt, daß drei trostreiche Gnadenmittel den Übergang ins ewige Leben erleichtern sollen. Heute wollen wir bei dem Sakrament verweilen, das ausschließlich für die Kranken eingesetzt wurde, bei der hl. Krankenölung.

Die hl. Ölung ist ein göttliches Heilmittel, und zwar bezweckt es vor allem die völlige Gesundung der Seele. Der Erlöser, der auch viele leibliche Kranke geheilt hat, war doch vor allem ein Arzt der Seelen. Der gebrechliche Leib soll nach der gewöhnlichen Anordnung Gottes durch Krankheit aufgelöst werden; die Seele hingegen soll und darf nie erkranken; ihr volles Leben aber beginnt erst so recht nach dem Eintritt in das Land des ewigen Lebens.

Wie nun, wenn ein körperlich Kranker sogar den Tod des Gnadenlebens zu beklagen hat, ohne jedoch beichten zu können, z.B. wegen Bewußtlosigkeit? Durch die die hl. Ölung, sagt der Apostel Jakobus ( 5, 15) "wird der Herr ihn aufrichten, und wenn er Sünden auf sich hat, so werden sie ihm vergeben werden". Auch die läßlichen Sünden tilgt dieses Sakrament: "Alle Krankheit der Seele benommen."

Die Folgen der Sünden, die Strafen im Jenseits, werden bei dieser Gesundung teilweise oder ganz getilgt. Gewisse Gefahren für die Erkrankung der Seele sind körperlich Leidenden näher gerückt, wie Niedergeschlagenheit, Kleinmut, Verwirrung. Auch dafür gilt das Wort des hl. Jakobus: "Der Herr wird sie aufrichten." In uralten Kirchengebeten (Ordo Wisigothicus, wohl aus dem 5. Jahrhundert) fleht der Priester bei Spendung dieses hl. Sakraments um völlige Gesundung der Seele. Jesus, von dem das wahre Heilmittel kommt, möge gnädig auf die Kranken hinschauen, das Fieber der Leidenschaften auslöschen, die Fäulnis der Geschwüre des Stolzes entfernen, das Zittern des Herzens beruhigen.

Ja, die Gnadenwirkung dieser göttlichen Medizin ist so reich, daß sie selbst die Gesundung des Leibes bringt, wenn dies zum Heil der Seele gereicht. "Schaue hin auf die Kranken, die durch Körperschwäche schon ganz gebeugt sind, und richte sie auf," fleht ein altes Kirchengebet.

III. Aloysius, der Geheilte

Hat ihm die hl. Ölung die körperliche Gesundung gebracht? Zuerst hatte es den Anschein, das Fieber brach sich, und der Sterbenskranke erholte sich allmählich. Doch war es seine eigentliche Genesung, die ihm das Sakrament brachte: Es lag im weisen Plane Gottes, daß der künftige Jugendpatron in der Blüte der Jugend von hinnen gehe. Nur die Frist eines Vierteljahres wurde ihm geschenkt, damit er auch als Sterbender der Welt sein großes Beispiel hinterlasse.

An seiner Seele aber zeigten sich die herrlichen Wirkungen der hl. Ölung: die völlige Gesundheit. Aloysius schrieb selbst seiner Mutter: "Mich freut es, zu denken, daß unser Herr und Gott mir eine viel bessere Gesundheit geben will, als die Ärzte es können." Seine Sehnsucht nach dem wahren Leben im Himmel war so groß, daß er seinen Beichtvater befragte, ob er sich denn rückhaltlos tiefer Freude überlassen dürfe. Als man ihm mitteilte, in etwa acht Tagen werde er sterben, rief er aus: "Mit Freuden gehe ich, mit Freuden!" Der Sehnsuchtspsalm nach dem Hause Gottes (Ps 83) und das Lied der Wallfahrer beim Einzug in Jerusalem (Ps 121) waren damals seine Lieblingsgebete. Im letzten Stündchen blickte er unverwandt auf das Kreuzbild, sprach nochmals leise den Namen Jesus aus und gab seinen Geist auf. Aloysius zählte bei seinem Tode 23 Jahre und dreieinhalb Monate.

Im Alten Bunde hat Gott dem Verfasser des Buches der Weisheit Worte in den Mund gelegt, die wohl als schönste Grabschrift für unseren lieben Heiligen gelten können. In jenen Worten wird zugleich hervorgehoben, was im Neuen Bunde die hl. Ölung bewirkt. Darum wollen wir mit ihnen unsere Erwägung beschließen. "O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Jugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und bei den Menschen ist es anerkannt. Ist es gegenwärtig, so ahmt man es nach; ist es den Augen entzogen, so sehnt man sich danach; und ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit davon" (4, 1-2). Seht da, den Preis eines reinen Lebens. "Der Gerechte aber, sollte er auch vor der Zeit sterben, wird doch in (ewiger) Ruhe sein. Denn ein ehrenvolles Alter hängt nicht von langer Dauer und von der Zahl der Jahre ab, sondern des Menschen Einsicht gilt für graues Haar, und ein unbeflecktes Leben ist das wahre Greisenalter"(4,8-9). Hier habt ihr den Grundsatz ausgesprochen, daß ein heiliges Leben wertvoller ist als lange, unnütze Jahre. "Früh vollendet, hat er viele Jahre erreicht; denn seine Seele war Gott wohlgefällig; darum eilte er, ihn hinwegzunehmen aus der Mitte der Laster" (4, 13). So hat Aloysius bei frühem Tod die reife Heiligkeit erreicht. "Gottes Gnade und Barmherzigkeit wird seinen Heiligen zuteil, und gnädig sucht er seine Auserwählten heim" (4,15). Der Lobpreis für alles gebührt Gott.

 

Amen.

 

Abbé Busse
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