Mannestugend im Licht der Eucharistie
Starkmut
"Ich vermag alles in dem, der mich stärkt."
Auch wenn es nicht in der Heiligen Schrift stünde, so wüßtet ihr es doch so gut wie der Dulder Job, der es an sich erfahren hat: Ein Kampf ist des Menschen Leben auf Erden (Joh 7,1)! In keinem Kampf dürfen Männer unterliegen. Erst recht müßt ihr in dem Kampf, bei dem der Himmel auf dem Spiel steht, als Sieger hervorgehen. Nehmt mit Starkmut den Kampf um euer ewiges Ziel auf! Um dabei klarer zu sehen und zielbewußter zu handeln und zu wandeln, stellen wir heute eine Betrachtung über den christlichen Starkmut an und erwägen dabei ein Doppeltes:
I. menschliche Schwachheit und
II. Starkmut in Gott.
Dabei soll aus unserem Herzen Davids Lieb zum eucharistischen Heiland bringen: Ich will dich lieben, meine Stärke (Ps 17,2)!
Menschliche Schwachheit
Zwar sehen wir: vieles Gewaltige schafft der Mensch! Er steigt tief in den Schoß der Erde und holt dort ihre Schätze; er erhebt sich mit wundervollen Maschinen ins Reich der Lüfte; er sendet seine Gedanken und Worte mit Blitzschnelle auf den Wellen elektrischer Kraft über das Erdenrund; er widersteht jahrelang im Krieg einer Welt von Feinden, zeigt Nerven, stärkt mörderisches Eisen; er sammelt die Macht des Weltkapitals, setzt sie durch ein bloßes Wort da und dort ein und bestimmt die Geschicke der Menschheit; er macht sich, um es kurz zu sagen, die Erde und das Meer und die ganze Welt untertan.
Und doch kann der Mensch seiner Lebenslänge nicht die kleinste Spanne zufügen (Mt 6,27); er kann dem Tod nicht entgehen; ein kleines Versehen an der Maschine – und sie wird ihm zum Verderben; ein unglücklicher rätselhafter Zufall – und das stolzeste Luftschiff mitsamt der Besatzung verbrennt zu Asche, oder Hunderte von Bergleuten sind in Sekundenschnelle eine Beute des Todes; ein haarfeines Äderchen in deinem Gehirn wenn reißt, oder ein Schlag des Herzens wenn stockt – so ist das dein Tod; ein Sandkörnchen kann dir das Augenlicht rauben; ein winziger Bazillus, überhaupt nicht wahrnehmbar, kann in den Kreislauf deines Blutes einschleichen und dich töten. Gott schuf durch ein bloßes Wort Himmel und Erde – du kannst durch ein bloßes Wort gar nichts; nicht einmal eine Türe schließen; oder kannst du das Wetter ändern? Oder einen Toten zurückrufen? Du kannst nicht einmal eine tote Mücke lebendig machen; nicht einmal einen Grashalm erschaffen. So ohnmächtig bist du!
Und doch verlangt das Leben gerade von euch so viel Kraft. Das Kreuz ist oft so schwer! Da ist die Familie, die Frau leidend, die Tochter vielleicht todgeweiht; da ist der Beruf, so schwer die Last der Arbeit für die müden Schultern, so unerträglich der Mensch, so gehässig die Feinde, so skrupellos die Konkurrenz. Da ist Ärgeres: Arbeitslosigkeit seit Jahr und Tag, nichts will gelingen, die Familie kommt herunter, kaum noch Aussicht auf Besserung der Verhältnisse. Da ist vielleicht das Ärgste: Schande in der Familie, trotz guter Erziehung ein verlorener Sohn, eine leichtfertige, irrgegangene Tochter; o wer erliegt nicht unter solcher Sorgenlast? So wie es bald vor 3000 Jahren, wohl in der traurigsten Zeit des israelischen Reiches, dem Propheten Elias ergangen ist. Er war ein gewaltiger Gottesstreiter, voll Kampfesmut gegen die 450 Baalspriester, gegen König Achab samt dessen Weib Isabel, jener Königin aller Laster und Schandtaten. Aber eines Tages mußte er doch vor Isabel fliehen, die schon Mörder gegen ihn ausgesandt hatte. Als er eine Tagesreise weit gekommen, sank er in der Gluthitze müde unter einem Wacholderbaum, wünschte sich den Tod herbei und sprach: es ist genug, o Herr, genug der Kämpfe, genug der Wunden, nimm hin mein Leben! So sank er verzweifelt in Schlummer. – Wer kennt sie nicht diese dunklen Stunden, wo wir am Ende unserer Kraft, sterbendmüde sind, wie Elias unter dem Wacholderbaum?
Solche Schwachheit, meine lieben Männer, ist keine Schande. Auch unser göttlicher Retter hat eine Stunde lang oder länger in solcher Schwachheit am Ölberg gezittert. Aber es gibt eine sittliche Schwachheit, die ist Sünde und Schande. Wie schwach ist heute die Menschheit im Gottesvertrauen und wie stark im Lästern; wie schwach im Kreuztragen und wie unersättlich im Genießen, wie schwach gegen das eigene Fleisch und so entsetzlich, so grauenhaft, so tierisch, so teuflisch in ihren Fleischessünden! – Und haben nicht auch wir, die so oft im Schatten des Heiligtums weilen, haben nicht wir alle bitter zu klagen über so manche Schwachheit des Willens: mea culpa, mea maxima culpa?
Eine Schwachheit muß ich besonders brandmarken, weil sie so selten als maxima culpa eingestanden wird und bei Männer so häufig und häßlich ist: die Menschenfurcht. Sonst will man gewiß seine Furcht kennen, beileibe nicht als feig gelten. Aber gerade bei ihrem religiösen Verhalten beunruhigt viele der Gedanke, möglicherweise von anderen gesehen, belächelt, getadelt, verspottet zu werden – und das wäre entsetzlich! Wie kann da die Menschenfurcht oft Männer zu Schwächlingen und charakterlosen Pilatusstaturen verwandeln! Da muß ich doch fragen: wer sind denn deine Herren, die du gar so fürchtest? Hängt denn von ihrem Willen, wie einst bei den Martyrern, das Leben, oder auch nur deine Augenwimper ab? Ach ihre Geistlosigkeit wird nur noch von der Größe ihres Mundwerkes übertroffen. Es sind dieselben Hohlköpfe, die damals auf den letzten Plätzen in der Schule saßen – und heute fürchtest du sie? Ein freies männliches Wort würde sie winzig klein machen. Und diese freie Wort muß du wie ein Apostel starkmütig sprechen. Denn Gott allein, und außer ihm niemand ist dein Herr. Er wird dich am Jüngsten Tag verleugnen, wenn du ihn jetzt aus Schwachheit und Menschenfurcht verleugnest; er wird dich vor seinem himmlischen Vater bekennen, wenn du jetzt immer und allerorts für seine heilige Sache wie ein Mann starkmütig eintrittst.
Starkmut in Gott
Wenn es um Gottes Sache geht, müssen wir uns aufraffen und starke Männer sein. Und dabei kommt alle Kraft und Stärke von Gott selbst.
Schauen wir nur im Heiligenkalender nach, wie Gott schwache Menschen zum Martyrium stärkte. Im Monat Juni finden wir das Fest des Apostels der Deutschen, des hl. Bonifatius. Welch eine Heldengestalt, welch ein Vorbild und Führer für das Männerapostolat! – Oder das Fest des hl. Johannes des Täufers; mit welcher Unerschrockenheit hat er den Pharisäern und dem wüsten Herodes die bittersten Wahrheiten gesagt! Kennt ihr das Geheimnis seiner Kraft, seines starken Mutes? Es war das Lamm Gottes, dem er den Weg bereitet, das er seinen Jüngern und dem Volk verkündete, für das er lebte, wirkte und starb. – Wir feiern weiter die Apostelfürsten, von denen der eine, St. Petrus, der starke Fels ist, auf dem Christus seine Kirche und auch euch gegründet hat, so daß selbst die Pforten der Hölle dagegen zur Ohmacht verdammt sind; und von denen der andere, St. Paulus, nicht müde wird euch zuzurufen: Seid stark im Herrn und in der Macht seiner Kraft (Eph 6,10)! Oder an die Korinther: seid wachsam, steht fest im Glauben, handelt männlich und seid stark (1 Kor 16,13) oder die herrliche Männerparole an die Philipper: omnia possum in eo, qui me confortat – ich vermag alles in dem, der mich stärkt!
Darf ich euch nun nochmals, meine lieben Männer, in die Wüste geleiten, wo wir Elias sterbenselend zurückließen? Soll nicht auch Elias alles vermögen in dem, der schon seinen Engel sandte, ihn zu stärken? Siehe, der Engel des Herrn rührte ihn an und sprach zu ihm: steh auf und iß! – Auf blickt er, da war ihm zu Häupten ein Brotkuchen und ein Gefäß mit Wasser. Er aß, trank, schlief wieder ein. Zum zweitenmal berührt ihn der Engel und spricht: "Steh auf und iß, denn du hast noch einen weiten Weg zu machen!" Da stand er auf, aß und trank und ging in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berge Gottes Horeb.
Steh auf und iß, denn du hast noch einen weiten Weg zu machen, so rufe ich euch, lieben Männer, zu. Hier ist die Seelenspeise, wie uns der Glaube lehrt, die auf der Lebensreise uns stärket und ernährt! – Wenn also das Familienkreuz oder das Kreuz des Berufes, oder das Unglück der Arbeitslosigkeit schwer auf euren Schultern liegt, dann nicht murren und klagen! Denn ihr werdet ja in der Kommunion mit dem vereint, der sein schweres Kreuz getragen hat. Er ist es, der den Müden Kraft verleiht und den Schwachen Stärke und Macht in Fülle (Is 40,29). Seid starkmütig, Ihr Männer! – Wenn die Fleischeslust euch zum Frevel gegen Gottes Gebot verführen möchte, dann gedenket all des vergossenen Martyrerblutes und gedenket des Pauluswortes (Hbr 12,4): Ihr habt noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet in eurem Kampf gegen die Sünde! Dann gedenket des Leibes Christi, den ihr so oft als Opferspeise empfangt, bringt euch selbst als Opfer und seid starkmütig, ihr Männer! – Wenn Schmeichelreden, Drohungen, Spott und Hohn eurer Ohr treffen und euch zum Wanken bringen möchte, dann schaut wie ein Stephanus den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen (Apg 7,56), dann schaut die Engel Gottes herniederkommen und an eurer Seite gegen den Satan streiten, dann haltet euch an euren Heiland, der als starker Gott Sünde, Tod und Teufel überwand; haltet euch an Christus, von dem schon immer eine Kraft ausging (Lk 6,19), gar wenn wir nicht nur den Saum seines Gewandes berühren, sondern ihn selbst empfangen dürfen im heiligen Sakrament. Größere Stärke kann ich mir nicht denken, als wenn ein Mann nach der heiligen Kommunion mit St. Paulus jubeln darf: Ich lebe – und doch nicht mehr ich, sondern Christus, der Starke, Allmächtige, lebt in mir (Gal 2,20). Seid starkmütig, ihr Männer!
Unsere Zeit und unser Volk braucht große Charaktere, starkmütige Männer, apostolische Führer. Das müßt ihr sein, wenn ihr das Brot der Starken genossen habt. Zu seinem auserwählten Jünger sagte einst der Herr (Lk 22,32): Simon, ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke, du wiederum stärke deine Brüder! Ja, tragt die Kraft der Eucharistie heim in eure Familie, hinaus in den Beruf, in das öffentliche Leben! Stärkt euch gegenseitig durch den Glauben (Röm 1,11) und stärkt eure Brüder, damit niemand in den gegenwärtigen Bedrängnissen sich irre machen lasse (1 Thes 2,33). Schlaget die Schlachten Gottes, denn ihr seid Glieder einer Kirche, die auf Erden die streitende ist.
O Jesus im Sakrament, du Gott der Stärke! Gib diesen Männern den Heldengeist des Martyriums, daß sie auch den Tod für Dich nicht fürchten, daß nichts sie scheidet von der Liebe Christi, nicht Drangsal und Angst, nicht Hunger und Blöße, nicht Gefahr oder Verfolgung oder Schwert (Röm 8,35)!
Omnia possum in eo, qui me confortat. Ich vermag alles in dem, der mich stärkt.
Amen.
actio spes unica · Schulstraße 7 · 65795 Hattersheim |
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