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Geistliches Wort im Oktober 2012
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Aloisianische Sonntage: Aloisius und die hl. Sakramente

Erster Sonntag: Aloisius und die hl. Taufe

"Könnte ich doch durch die ganze Welt laufen und verkünden, daß Aloisius, Ignatius' Sohn, ein großer Heiliger ist, und jedem seine Heiligkeit zeigen!" Kaum neun Jahre war Aloisius aus dieser Welt geschieden, als die heilige Magdalena von Pazzi diese Worte sprach, nachdem ihr in einer himmlischen Entzündung die Glorie des Heiligen gezeigt worden war. Und sie fügte bei: "Aloisius hat eine so große Glorie, weil er innerlich tätig war."

Diese heldenmütigen Anstrengungen des Heiligen sind gewöhnlich der Gegenstand der aloisianischen Predigten. Und mit vollem Recht. Ist dieser Heilige ja gerade dadurch eine hinreizende, vorbildliche Erscheinung. Doch darf man dabei eines nicht übersehen: die Werkzeuge, die Aloisius zum Wunderbau seiner Heiligkeit dienten, jene Mittel, die von Gott selbst eingesetzt und uns gegeben sind zur Mitteilung, Bewahrung und Vermehrung der heiligmachenden Gnade: Die heiligen Sakramente. Aloisius und die heiligen Sakramente: Dies soll der Gegenstand der aloisianischen Predigten bilden. Die heiligen Sakramente haben bei Aloisius gerade wegen seiner treuen Mitwirkung einen vollendeten Sieg über irdisches Denken, Wollen und Handeln davongetragen. Wir wollen dieses geheimnisvolle Wirken etwas zu ergründen suchen, damit die gleichen heiligen Sakramente auch in uns immer mehr Mittel werden zur gottgewollten Heiligkeit.

I . Das lebenspendende Gnadenmittel

Der hl. Paulus nennt die Taufe ein "Bad der Wiedergeburt!" (Tit 3, 5). Durch die irdische Geburt kommt ein Menschenkind zur Welt, das gleichsam tot ist für den Himmel, d.h. tot für jenes Leben, das hienieden in der heiligmachenden Gnade anhebt, um in der Beseligung des Täuflings seine volle Entwicklung zu finden. Schuld an diesem Tode trägt die Sünde Adams, die in geheimnisvoller Weise auf alle Menschenkinder übergeht.

Nun besitzt ein Toter keine Lebenskraft: Sein Auge sieht nicht, sein Ohr hört nicht, sein Herz schlägt nicht. Auch der geistig Tote ist wie gelähmt und erstarrt, unfähig zu irgendeiner Lebensäußerung des wahren, übernatürlichen Lebens.

Das wird nun behoben in der geistigen Wiedergeburt, der hl. Taufe. Und wodurch? Im irdischen Körper herrscht Leben, wenn er beseelt ist. Die Seele ist es, die Leben, Wachstum, Entwicklung verleiht. Durch das Sakrament der Wiedergeburt schenkt uns Gott einen höheren Lebensträger. Der hl. Johannes nennt ihn treffend den "Namen Gottes", der in denen ist, die "aus Gott geboren sind" (1 Joh 3, 9).

Ja, noch inniger soll unsere Lebensgemeinschaft mit Christus sich gestalten. Wir sollen durch die Taufe Glieder werden am geheimnisvollen Leibe Christi (1 Kor 12,31). Ein Glied, z.B. ein Auge, eine Hand, wird vom Körper durch den Blutstrom ernährt, wird von übrigen Körper geschützt und gehegt, es ist verwachsen, eins mit dem Körper. So gehört auch der Getaufte ganz Christus an: Christi Leben, Arbeiten, Verdienen ist sein Leben, Arbeiten, Verdienen.

II. Wirkung der Lebensspendung bei Aloisius

Aloisius war ein besonderes Gnadenkind. Denn:

Früh begann sein übernatürliches Leben. Gott nahm vom ihm Besitz durch das Sakrament der Wiedergeburt, noch ehe er das Licht der Welt erblickte; er wurde, wie das Brevier hervorhebt, eher für den Himmel als für die Welt geboren.

Dieses Leben war außergewöhnlich reich. Eine große Frömmigkeit war dem Kleinen gleichsam angeboren. Kaum konnte er gehen, so zog er sich in abgelegen Winkel des Schlosses zurück, um auf den Knien zu beten. Ja, schon seine Wärterinnen fanden den Einfluß des Gnadenkindes; sie glaubten eher einen Engel als ein Menschkind auf den Armen zu tragen.

Diese Leben der Gnade dauerte dann auch stets fort. Sein Beichtvater, der heilige Kardinal Bellarmin, legte Zeugnis dafür ab, daß Aloisius nie die Taufgnade verloren habe. Wie selig ist so ein Leben, das ununterbrochen im Stande der heiligmachenden Gnade geführt wird, und zwar trotz der Gefahren.

Der ersten Jugend (etwa bis zum 6. Jahre). Aloisius nennte diese Zeit sein Sündenleben. Der Kleine wiederholte einige unschickliche Soldatenausdrücke, die er noch nicht recht verstanden hatte; auch entwendete er einst den Soldaten Pulver, um ein kleines Feldstück selbst loszufeuern. An sich gewiß unbedeutende Fehler, doch sie stimmten ihn demütig für sein ganzes Leben und machten ihn vorsichtig der Welt gegenüber. Er fühlte, daß der Boden schlüpfrig sei, bevor er ausglitt.

Mit sieben Jahren begann er mit großer Zielsicherheit all sein Sinnen und Trachten ganz auf Gott zu richten. So war er am besten gegen die Gefahren gefeit, die ihm der Reichtum, eine glänzende Lebensbahn, das Leben am Hofe bereiten konnte. Da ist es nicht zu verwundern, daß der "Name Gottes" in diesem auserlesenen Erdreich, unter den Strahlen der Gnadensonne sich rasch und herrlich zur erlesenen Blume der Heiligkeit entfaltet; daß dieses "Glied am Leibe Christi" zu leben begann.

III. Wie aber stehen wir dem großen Sakrament der Taufe gegenüber?

Mag Gott uns auch nicht den überreichen Gnadensegen eines Aloisius im Sakrament der Wiedergeburt geschenkt haben, besondere Gnadenkinder Gottes sind wir doch alle. Der Name Gottes, der im Erdreich der Seele hineingepflanzt wurde, ist unendlich mannigfaltig, und jeder soll sich nach seiner Eigenart entwickeln. Nicht nur an der himmelanstrebenden Königspalme, auch an kleinen Feldblümlein erfreut sich das Auge Gottes. Auch Glieder Christi sind wir alle geworden durch die hl. Taufe. Ob Auge, ob Ohr, ob Hand, ob Fuß, was verschlägt es? Alle Glieder sind dem Leibe notwendig, und gerade für das schwächere sorgt die göttliche Güte mit besonderer Sorgfalt. So ist also ein unverdientes Gnadengeschenk, daß uns kurz nach der leiblichen Geburt diese Sakrament zuteil wurde! Denkt an die Heidenkinder in Afrika, Indien, ja im modernen Europa, die das notwendigste Sakrament entbehren müssen.

Ist unser Gnadenleben sodann auch ein stets dauerndes gewesen? Wie viele Christen, ja solche. die später die Bahnen erhabener Heiligkeit gewandelt, sind darin Aloisius nicht ähnlich geworden? Wenn du aber, mein lieber junger Freund, durch einen besonderen Schutz Gottes deine Taufunschuld bewahrt hast, dann danke besonders dadurch der göttlichen Güte, daß Du die Mahnung erfüllst, die Dir der Priester mit auf den Lebensweg gab: "Empfange das weiße Kleid und trage es ohne Flecken bis vor den Richterstuhl unseres Herren Jesus Christus, damit du das ewige Leben erlangest." Hat aber die Sündenmakel schon früh und vielleicht jetzt dies Kleid befleckt, so mühe Dich mit Aufwand aller Kraft dem heiligen Aloisius ähnlich zu werden. Von jetzt an bis zum Ende des Lebens keine Todsünde!

Aber wie Aloisius Gefahren zu überwinden hatte, so werden sie auch uns immer wieder hindernd in den Weg treten. Hindernd? Aloisius hat die Hindernisse überwunden; dadurch gerade ist er ein so großer Heiliger geworden. "Ein Hindernis ist etwas, das man überwinden muß." Der Arm des Herrn ist noch nicht verkürzt, er wird dich nicht verlassen.

 

Wir wollen alle in innigem Dank für die Gnaden der hl. Taufe Aloisius immer besser nachahmen. Nie soll das Licht der heiligmachenden Gnade mehr auslöschen, damit, wenn der Herr zur Hochzeit erscheint, auch wir mit Aloisius und allen lieben Heiligen ihm entgegeneilen können und so das ewig Leben empfangen. Amen

 

Abbé Busse