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Geistliches Wort im August 2013
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Mannestugend im Licht der Eucharistie Nächstenliebe"Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe." (Joh 13,34) Wer keine Liebe hat, der gleicht dem kalten Götzenbilde, das nie gibt, nur immer nimmt; es weilt in goldbekleideten Gemächern, es prangt in strahlenden Juwelen, es thront in Weihrauchwolken, es sieht zahllose Opfer für sich verbluten und läßt sich Huldigungen darbringen Tag und Nacht; allein es regt sich nicht, es kommt nicht entgegen, es vergilt nicht, er erhört nicht, es gewährt nicht, es schützt nicht, es errettet nicht. – Wer Liebe hat, der gleicht der holden, milden, herrlichen Sonne, die da glänzt, erwärmt, befruchtet, allen Segen spendet! Ihr Leuchten und Wärmen verbreitet Wonne, erquickt die Herzen, stimmt zu Jubel und Preis allüberall. O Geist der Liebe, durchglühe mein Herz! (Doß, Gedanken n. 93) O Sakrament der Liebe, laß uns durch deinen Genuß lebendige Gefäße der Liebe werden! Laß uns nicht kalt und gefühllos bleiben, wie der Altarkelch, der den Lieb des Herrn umschließt; laß uns nach jeder Kommunion mehr und mehr für das brennen, was Jesus so glühend liebt: die Menschen, die Armen, seine Brüder! – Ihr hab schon bemerkt, liebe Männer, was wir heute betrachten wollen: Die Nächstenliebe, nämlich zwei Punkte:
I. Der Mensch will es, Der Mensch will esDer Mensch will es. Er kann ohne Liebe nicht leben. Er hungert nach Liebe. Ein Leben ohne Liebe ist ein Vorgeschmack der Hölle, denn in der Hölle gibt es keine Liebe. Wer hungert denn am allermeisten nach euerer Liebe, wer hat das erste Anrecht darauf? Das hat die Familie. Schon in unserer letzten Betrachtung haben wir angedeutet: droben im Himmel umfangen sich Vater, Sohn und Geist in siebenfacher Liebe – drunten auf Erden sehe ich ein Bild tiefer Dreifaltigkeit: Vater, Mutter und Kind! – O sei nun du, Mann, ein Abbild des himmlischen Vaters, ein Widerschein göttlicher Liebe! Ich weiß, daß heute aus vielen Familien die Liebe geschwunden und der kalte Egoismus eingekehrt ist; ich weiß auch, daß – nicht immer, aber oft die Schuld bei den Vätern liegt. Arme, verhärmte, um ihr Lebensglück betrogene Frauen, eure Tränen fallen auf das Gewissen harter, grausamer Männer! Arme Kinder, wenn sie vor dem Vater das Fürchten und Zittern lernten! Bei euch, liebe katholische Männer, müssen solche Zustände undenkbar sein. Dann wer wie der Liebesjünger Johannes in heiliger Kommunion am Herzen Jesu ruht, der muß würdig sein, selbst die Gottesmutter aus der Hand des Meisters in sein Haus aufzunehmen – und wieviel eher wird er das eigene Fleisch und Blut, Weib und Kind, liebend und sorgend behüten! St. Paulus ruft euch deshalb zu: Ihr Männer, liebet eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat! Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, erbittert sich nicht (Eph 5; Röm 3)! Im Licht der Eucharistie sollt ihr euch heute fragen: ist mein Haus ein heiliges Haus von Nazareth, eine Stätte der Liebe, wo alle Arbeit, alle Plage durch die Liebe zu Weib und Kindern versüßt wird? Wo auch den alten Eltern und allen Hausgenossen nicht nur ihr Recht zukommt, sonder auch Liebe zuteil wird? Und die Dienstboten und Untergebenen? Schenkt ihnen zu ihrem Lohn doch auch ein gutes Wort, freundliche Achtung, menschliche Teilnahme, christliche Liebe – so wie der göttliche Meister seine Jünger behandelt hat. Aber die Liebe es christlichen Mannes muß über die engen Pfähle des eigenen Heims hinausreichen. Wer ist denn mein Nächster (Lk 10,29)? Alle Menschen gehören zur großen Gottesfamilie, zur heiligen Blutgemeinschaft, die Jesus nicht mit vergänglichem Gold und Silber, sondern mit seinem Blut von der Sünde losgekauft (1 Petr 1,18) und zur Glorie berufen hat. Und in der Tat hat solche in Gott verankerte Menschenliebe einmal herrlich geblüht, da ist Apostelgeschichte von den ersten Christen erzählt: Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand nannte etwas von seinem Besitz sein eigen. Alles hatten sie miteinander gemeinsam. Es gab auch keinen Bedürftigen unter ihnen. Wer Grundstücke oder Häuser besaß, veräußerte sie, brachte den Erlös daraus und legte ihn den Aposteln zu Füßen (Apg 4). – Das war also eine Caritasgemeinde, eine Welt für sich, und eine glückliche Welt! Brüder und Schwestern, und die Apostel ihre Väter. Kommunismus, und doch kein Kommunismus; denn da waltet nicht Zwang und Enteignung, sondern die Liebe. Der Kommunismus unserer Tage will auch als Ziel Gleichheit und Brüderlichkeit, aber er hält es mit dem Gegenteil der Liebe, mit Brudermord, Bürgerkrieg, Weltrevolutionierung. Bei den ersten Christen herrschte nur die Liebe. Wie ist dieses Wunder der Bruderliebe zu erklären? Die gleiche Apostelgeschichte gibt uns Aufschluß, wenn sie (2,4) berichtet: Sie verharrten täglich einmütig im Tempel und brachen in den einzelnen Häusern das Brot. Mit dem Brotbrechen ist sehr wahrscheinlich die Meßopfer- und Kommunionfeier der ersten Christen gemeint. Die Eucharistie hat ihre Herzen so mächtig entflammt. Und wenn auch ihr enthusiastische, überschwängliche Bruderliebe heute nicht mehr durchführbar ist: eine Brudergemeinschaft müßt ihr doch sein, wenn ihr heute mit Millionen auf dem Erdenrund sein Liebesmahl empfangt. Oder sollen die auseinanderstrebenden Kräfte sozialer Zerrissenheit stärker sein als der Geist christlicher Liebe? O Jesus, gibt uns bei allen Kämpfen um unser Rechte den Geist der Liebe! Laß und durch die Teilnahme an dem einen Brot ein Leib werden, von dem du das Haupt und wir die Glieder sind (1 Kor 10,17; Eph 5)! – Der Mensch will es, daß wir einander lieben. Er kann ohne Liebe nicht leben. Er hungert nach Liebe. Ein Leben ohne Liebe ist ein Vorgeschmack der Hölle; denn in der Hölle gibt es keine Liebe. Wenn nun einer von Euch Feinde hat? (Ich meine nicht Menschen, mit denen ihr euch um eine lächerliche Kleinigkeit will entzweit habt; da verzeiht man ohne Besinnen! Schon die Vaterunser-Bitte verlangt es!) Ich meine Menschen, die euch schwer gekränkt, beleidigt, geschädigt, uns Unglück gestürzt haben? Auch da noch lieben? Wo das Blut innerlich kocht und nach Rache schreit? Nein das geht gegen die Natur, das geht über die Kraft. Aber: Gott will esGott will es! Auch dieses schwere Opfer! – und damit haben alle Einreden ein Ende. Gott will es, daß wir einander lieben. Am Abend vor seinem Sterben, wo er bei der Einsetzung seines heiligen Sakramentes und unmittelbar vor seiner höchsten Liebestat so viel Worte der Liebe für seine Jünger fand, sprach er zu ihnen; Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebtet, wie eich euch geliebt habe (Joh 13,34). Wie ich euch geliebt habe, darin liegt das Neue und das Geheimnis des neuen Gebotes. Wie sehr und Jesus geliebt hat, das ist uns in der letzten Betrachtung klar geworden und soll jetzt in der Kommunion wieder klar werden. Seine Liebe macht es also zum Vorbild und Maßstab unserer Nächstenliebe: so wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr einander lieben! Diese neue Gebot erhebt er auf den Thron der Gottheit: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüt, aus allen deinen Kräften. Dies ist das größte und erste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Er gibt also seinem neuen Liebesgebot unter allen Geboten den ersten Rang, er macht es zum Hauptgebot, in dem das ganze ungeheure Satzungs- und Gesetzeswert von Moses und den Propheten enthalten ist. Gott lieben und den Nächsten lieben ist ein und dasselbe. Denn der Mensch ist ein Ebenbild Gottes, ein Kind Gottes. Im Ebenbild, auch im verdorbenen, sollen wir die Spuren des göttlichen Urbildes suchen, im Menschenkinde den göttlichen Vater lieben. Jesus macht diesen innigen Zusammenhang zwischen Gottesliebe und Nächstenliebe noch deutlicher, wenn er sagt, daß er, der Eingeborene des Vaters, in seinen Brüder sich selbst geliebt sehen will: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan. – Das ist der tiefe Sinn jeder Erzählung vom hl. Martinus, der, wo er noch Heide war, an einem grimmig kalten Wintertag einen halbnackten verkrüppelten Bettler fand, der ich flehentlich, um eine Milde Gabe bat. Nun hatte der stolze Reiter gar nichts bei sich, besann sich aber nicht lange, sondern teilte trotz der bitteren Kälte seinen Reitermantel in zwei Stücke, gab dem Armen die eine Hälfte und ritt froh den Kameraden nach. In der Nacht erschien im Christus in Gestalt jenes Bettlers, mit dem halben Mantel bekleidet, und er sprach zu seinen Engeln: Martinus hat mich mit diesem Mantel bekleidet. Wer von euch, meine lieben katholischen Männer, möchte nicht gern wie St. Martinus dem Heiland irgendeinen Liebesdienst erweisen, den müden Reiter beherbergen und bedienen, dem hungernden Jesus Brot und Speise reichen, dem auf dem Kreuzweg zu Tod Erschöpften das Kreuz tragen helfen? Wohlan ans Werk! Die Not und das Massenelend liegt groß vor euch. Geistige und leibliche Hungersnot herrscht in vielen Häusern. Da wird zum Klassenkampf , dort zum Völkerkrieg gerüstet, auf beiden Seiten zum Todesstoß gegen die Liebe. Die Heidenwelt ruft: Komm herüber und hilf uns (Apg 16,9)! Tausend Nöte klagen zum Himmel, tausend Nothelfer müßten der Not abhelfen. – O Liebe, Liebe, wir wollen dich vom Altar in unser Herz aufnehmen und dich draußen in der Welt zum Leben erwecken, wir wollen für dich sprechen, für dich wirken und tätig sein! Du sollst uns aus den Augen leuchten und wie ein Echo aus jedem Wort widerhallen, in deinem Dienst der Barmherzigkeit. Wo aber unsre Wille und unsere Kraft nicht ausreicht, da wollen wir wenigstens im Gebet den Geist der Liebe bekunden: Herr, erbarme dich aller Menschen! Erbarme dich unsere Freunde, auch unserer Feinde! Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun! Wenn einst die Welt in Trümmer sinkt und der König auf den Wolken erscheint, er wird uns dann nicht nach Stand und Namen fragen, aber ob wir in Amt und Würden gewesen, ob wir Orden und Zeichen getragen, oder ob wir Grundstücke und Aktien besessen; sondern nur ob wir Liebe hatten und Liebe übten. Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben – Wann sahen wir dich hungrig und gaben dir zu essen? – Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan. Kommt ihr Gesegneten (Mt 25)! Soviel gilt bei Gott die Liebe. Gott will es, es ist sein Gebot, daß wir einander lieben, wie er und geliebt hat. Kindlein, liebet einander!
Amen.
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