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Geistliches Wort im November 2012
Schild der actio spes unica
 

Aloisianische Sonntage: Aloisius und die hl. Sakramente

Zweiter Sonntag: Aloisius und die hl. Firmung

Das heilige Sakrament der Firmung hängt innig zusammen mit der heiligen Taufe; die Firmung ist gleichsam die Vollendung und Sicherung der Taufe. Die herrlichen Wirkungen des Bades der Wiedergeburt werden nämlich durch die Firmung gekräftigt, vermehrt, gleichsam mit einem Siegel versehen und gegen alle Angriffe der Feinde gesichert; Denn die heilige Firmung ist die völlige Aufnahme ins Kriegsherr Christi, um, gestärkt durch den Heiligen Geist, tapfer für den Glauben zu kämpfen. Es bildet darum dieses Sakrament, dieser Ritterschlag, erteilt von einem Nachfolger der Apostel, gleichsam die Grenzmarke, wo das Kind in das Jünglingsalter eintritt, um als Streiter Christi die Schlachten des Herren zu schlagen.

Wir erwägen: I. Die Firmgabe des hl. Geistes, und sehen II. Aloisius, den Soldaten im Kampfe.

I. Die Firmgabe des hl. Geistes

Die kostbare Gabe der hl. Firmung besteht

  1. in einem noch innigeren Anschluß an Christus, als durch die Taufe bereits bewirkt wurde. Zwar ist die Taufgnade etwas Erhabenes. Wir werden wirklich Kinder Gottes. Diese Verähnlichung mit Gott bleibt aber vor allem eine reine Gabe, ein Geschenk. Zum Sakrament des Heiligen Geistes hingegen werden wir durch die Handauflegung des Bischofs dem erhabenen Gottkönig Christus in besonderer Weise als seine Soldaten beigestellt. Krieger sein heißt aber kämpfen, heißt tätig sein für die Sache Christi. Möglichst gleichförmig soll der Gefirmte seinem Führer werden, und darum wird seiner Seele unauslöschliches Zeichen eingeprägt, ein kriegerisches Merkmal, an dem die Engel Gottes sofort voll heiliger Freude erkennen. Es ist ein Gefirmter, ein Streiter Christi.
  2. werden wir durch die heilige Firmung auch ausgerüstet mit den Waffen des Heiligen Geistes gegenüber den feindlichen Mächten (S. Cyrill. Hieros.). So betet schon in den ersten Jahrhunderten der Bischof: "Sende aus über die Firmlinge Deinen Heiligen Geist, den Tröster, und gib ihnen den Geist der Weisheit und es Verstandes, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit; erfüllte sie mit dem Geist der Furcht des Herren, im Namen unseres Herren Jesus Christi" ( Sacrament. Gelasianum).

All diese herrlichen Vorzüge faßt die hl. Schrift in zwei große Gaben zusammen: Die übernatürliche Gabe der Klugheit für den Verstand, und die Gabe der Kraft für den Willen. Die Klugheit macht den Gefirmten ruhig und besonnen gegen die Gift des Feindes, so daß ihn nicht aus der Fassung bringen kann, geschickt der Handhabung der Waffen des Angriffes und der Abwehr (Gebet, Reden, Schweigen). Die Kraft läßt ihn unerschrocken aushalten, mag die ganze Hölle sich mit der gottesfeindlichen Welt verbünden: "Wenn sich gegen mich Heere erheben, wird sich mein Herz nicht fürchten" (PS 6, 3).

Zur rechten Zeit wird der Geist Gottes seinen Kämpfern tiefe Erleuchtung des Verstandes und tiefen Antrieb des Willens mitteilen. So hatte es schon der Heiland seinen Aposteln verheißen: "Wenn man euch vor die Obrigkeit und Mächtigen führet, so sorget nicht, wie oder was was ihr anworten sollet, denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen sollt" ( Lk 12, 11.12).

II. Aloisius, der Soldat im Kampfe

Aloisius trat aufs Feld in einer tieferschütterten Zeit der Glaubenskämpfe. Die Familie des Heiligen (Feldherren, Staatsmänner, Fürsten der Kirche) legt die Vermutung nahe, Aloisius werde sich in geistiger oder irdischer Verteidigung des heiligen Glaubens auszeichnen. Aloisius war zu Größerem berufen.

  1. Freilich zeigte er schon in der Welt, daß er ein christlicher Ritter ohne Furcht und Tadel war, daß seine Seele gewappnet war mit der Gnade der Weisheit und Kraft. Welch himmlische Klugheit zeigt seine Frage: "Was nutzt mir das für die Ewigkeit?" Die ewigen Gesichtspunkte waren bei ihm allein maßgebend. Brauchte es nicht heilige Starkmut, um als sechszehnjähriger Prinz in großer Gesellschaft einen siebzigjährigen Greis zurechtzuweisen? "Schämen Sie sich nicht, bei Ihrem hohen Alter und Ihrem Rang vor jungen Herren unanständige Reden zu führen? Wissen Sie nicht, daß schlechte Reden gute Sitten verderben?
  2. Doch hat sich der Soldat Christi noch mehr bewährt, in einem wahren Feldzug für seinen heiligen Beruf. Die Gnade Gotte berief ihn zum Ordenstand. Es war ein plötzlicher Ruf; von Stufe zu Stufe war es ihm klarer: Gott will ihn in der Gesellschaft Jesu haben. Gebet und ruhiges Abwägen hatten ihm den Weg gewiesen, große bleibende Seelenruhe bestätigten ihm die Richtigkeit seiner Wahl. Doch jetzt erst soll sich sein Beruf im Kampf bewähren. Denn sein Vater wollte von einem solchen Berufe nichts wissen. Da galt das Wort des Heilandes: "Des Menschen Feinde sind seine Hausgenossen" (Mt 10, 36). Der Kampf galt einer hohen, heiligen Sache, dem Stand der Vollkommenheit, zu dem ihn der klar erkannte Wille Gottes berief.
    Verschiedene Stufen des Kampfes:
    • Heftiges Schelten, Drohen mit Gewalt. Aloisius aber? Er bittet Gott, daß er auch Unglimpf mit Liebe erdulde.
    • Der Vater zieht Sache heraus: "Zeit gewonnen, alles gewonnen." Aloisius bleibt ruhig, sein Wille aber unentwegt.
    • Aloisius muß die Fürstenhöfe Oberitaliens besuchen (Zerstreuung, Ablenkungen, Lockungen). Dagegen dienen die Waffen des Gebetes der Abtötung.
    • Selbst Geistliche, ein Bischof, sollen ihn bereden, Weltpriester zu werden (kirchliche Würden, Vermögen). Aloisius steht fest! So wogt der Kampf weiter: Halb Drohungen, halb Bitten, halb Sonnenschein, halb finsteres Gewölk und Sturm. Endlich der glorreiche, volle Sieg, erkämpft mit untadeligen Waffen: Geduld, Gebet, Bußwerken, den Blick unverwandt auf Gott gerichtet.
  3. Und wir Jünglinge? Welches ist die Haltung in unseren Kämpfen? Seien wir:
    • Glaubensstark. Das ist die wichtigste Grundlage; sie vertiefen, befestigen, wegen des verflachenden Zeitgeistes. Kein feiger Soldat "Von den Tagen Johannes" des Täufers bis jetzt leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt gebrauchen, reißen es an sich.
    • Glaubenstreu. Gerade bei langdauerndem Kampf erprobt sich der Gute. "Ich habe den guten Kampf gekämpft... ich habe den Glauben bewahrt" (2 Tim 4, 7)
    • Glaubensfroh. Siegesfreude geziemt sich für unsere herrliche Sache. "Mir ist die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt (2 Tim 4, 8).

 

Die Apostel freuen sich, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden. Darum: Wenn die heilige Firmung noch nicht empfangen: Sich gut vorbereiten! Wenn bereits empfangen: "Ich ermahne dich, daß du wiederanfachst die Gnade (durch Gebet, Erinnerung), die in dir ist durch die Handauflegung. (2 Tim 1, 6 ). Amen.

 

Abbé Busse